Mit Unterstützung des UeLit-Vereins konnte ich Mitte Juni am Workshop „Meine Sehnsucht ist noch unterwegs“ – Perspektiven auf Walter Kaufmann (1924–2021) teilnehmen. Der Workshop fand am 16. und 17. Juni im Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin statt und befasste sich mit Leben und Werk des Schriftstellers Walter Kaufmann, der in der DDR viel schrieb und veröffentlichte, nach der Vereinigung der deutschen Staaten jedoch in Vergessenheit geriet.
Kaufmann gelangte als jüdisches Kind im Jahr 1939 mithilfe eines Kindertransports nach England und wurde wenige Jahre später als enemy alien nach Australien geschickt. Nach der überstandenen Internierung im Hay Camp in New South Wales wurde Australien zu seiner zweiten Heimat; dort veröffentlichte er auch erste Erzählungen. In den 1950er Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in der DDR nieder; als kapitalismuskritischer Schriftsteller wurde er dort mit offenen Armen empfangen und gefördert. Dank seines australischen Passes konnte Kaufmann viel reisen; zahlreiche Reportagen und Erzählungen waren das Ergebnis, wobei Kaufmann auch viel über sein eigenes Leben schrieb. Da er seine Texte bis in die 1970er Jahre auf Englisch verfasste, wurde ein Großteil dieser Reportagen und Erzählungen übersetzt – unter anderem von Elga Abramowitz (1926–2024), die insbesondere in den späten 1950er Jahren Erzählungen von Kaufmann für die DDR-Zeitschrift Das Magazin ins Deutsche brachte. Mein Vortrag stellte die übersetzerische Beziehung zwischen Kaufmann und Abramowitz vor – anhand von Papieren in Abramowitz’ Nachlass, der die Grundlage meiner Dissertation ist. Zudem konnte ich auf der Tagung einen ersten Überblick über Kaufmanns zahlreiche Übersetzer und Übersetzerinnen geben.
Schwerpunkte des Workshops waren die verschiedenen Stationen von Kaufmanns Leben sowie die Auseinandersetzung mit seinem Werk; dabei wurden durchaus unterschiedliche Perspektiven auf Kaufmanns Leben und Werk eingenommen und es kam zu interessanten Diskussionen. Ergänzt wurde das Programm durch die Vorführung eines Dokumentarfilms über Kaufmann (Walter Kaufmann. Welch ein Leben! (2021)) und eine Einführung in Kaufmanns Nachlass (Staatsbibliothek zu Berlin).
Von den einzelnen Vorträgen wurden Videoaufnahmen gemacht; in der Mediathek des Brecht-Hauses können die einzelnen Vorträge eingesehen werden.[1] Das Programm für den ersten Workshop-Tag findet sich hier und für den zweiten Workshop Tag hier.
Der Workshop wurde von Ulrike Schneider (Universität Potsdam) und Carola Hähnel-Mesnard (Université de Lille) in Kooperation mit dem DFG-Projekt Jüdisches Filmerbe, dem Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft (Universität Potsdam), der Université de Lille (Laboratoire Alithila) und der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz veranstaltet.
[1] Mein Beitrag ist vorerst jedoch nicht einsehbar, da es sich bei den präsentierten Informationen zum Teil um unveröffentlichte Informationen aus meiner in Kürze erscheinenden Dissertation handelt.
